Werbung · 2 min read · Oct 29, 2025

Werbeblocker könnten in Deutschland verboten werden

Werbeblocker, einst als Nischenbrowser-Tool angesehen, sind zum Zentrum eines langanhaltenden Konflikts zwischen Internetnutzern und Verlegern geworden. Was als Kampf zwischen Nutzern begann, die sich von aufdringlichen Anzeigen befreien wollten, und Verlegern, die ihr Geschäftsmodell am Leben erhalten wollten, hat nun einen entscheidenden Moment im höchsten Gericht Deutschlands erreicht.

Das Bundesgerichtshof (BGH) hat einen Fall wieder aufgerollt, der letztendlich Werbeblocker im Land verbieten könnte. Der Fall betrifft den Mediengiganten Axel Springer und Eyeo, das in Köln ansässige Unternehmen hinter Adblock Plus, einem der weltweit beliebtesten Werbeblockertools.

Der Fall

Axel Springer, das große Medien wie Bild und Welt besitzt, argumentiert, dass Websites nicht nur aus Text und Bildern bestehen — sie bestehen auch aus Code, der als geschütztes Computerprogramm zählt. Es wird weiter argumentiert, dass, wenn ein Werbeblocker eine Anzeige ausblendet, er tatsächlich illegal in den zugrunde liegenden Code eingreift, der eine Website in einem Browser ohne Erlaubnis aufbaut. In der Zwischenzeit besteht Eyeo darauf, dass es den Nutzern einfach erlaubt, zu entscheiden, was sie sehen möchten.

Zuvor war ein unteres Gericht in Hamburg nicht überzeugt und hatte dieses Argument abgewiesen. Aber am 31. Juli 2025 hob der BGH Teile dieses Urteils auf und stellte fest, dass die Richter nicht ordnungsgemäß geprüft hatten, ob Browsercode wie das Document Object Model (DOM) und das CSS Object Model (CSSOM) rechtlich geschützte Werke sind — und ob das Ausblenden von Anzeigen als unbefugte Manipulation gilt.

„Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Bytecode oder der daraus generierte Code als Computerprogramm geschützt ist und dass der Werbeblocker durch Modifikation oder modifizierte Reproduktion das ausschließliche Recht daran verletzt hat“, heißt es in der Erklärung des BGH (automatisierte Übersetzung)

Der Fall wird nun an die unteren Gerichte in Hamburg zurückverwiesen, um eine tiefere technische Prüfung vorzunehmen.

Warum es wichtig ist

Die Auswirkungen reichen weit über Werbung hinaus. Wenn die Gerichte Springers Ansicht zustimmen, könnte das bedeuten, dass jede Browsererweiterung, die Websites modifiziert — von Datenschutzfiltern bis hin zu Barrierefreiheitswerkzeugen — als illegal angesehen wird. Dies könnte nicht nur Werbeblocker, sondern auch Werkzeuge betreffen, die die Barrierefreiheit verbessern, die Sicherheit stärken oder das Online-Tracking verhindern.

Mozilla, der Hersteller des Firefox-Browsers, hat gewarnt, dass dies Deutschland zum ersten demokratischen Land machen könnte, das Werbeblocker verbietet – ein Schritt, der laut Mozilla die Freiheit der Nutzer, Innovation und den Online-Datenschutz gefährden würde.

In einer Erklärung sagte Daniel Nazer, Senior IP & Product Counsel bei Mozilla, dass das Urteil das Risiko birgt, einen „abschreckenden Effekt“ zu erzeugen, bei dem Browser Funktionen einschränken und Entwickler von Erweiterungen zurücktreten, um Klagen zu vermeiden.

„Wir hoffen aufrichtig, dass Deutschland nicht die zweite Jurisdiktion (nach Chin a) wird, die Werbeblocker verbietet. Dies würde die Fähigkeit der Nutzer, ihre Online-Umgebung zu kontrollieren, erheblich einschränken und möglicherweise die Tür für ähnliche Einschränkungen anderswo öffnen. Ein solches Präzedenz könnte rechtliche Herausforderungen gegen andere Erweiterungen, die die Privatsphäre schützen, die Barrierefreiheit verbessern oder die Sicherheit erhöhen, ermutigen“, fügte Nazer hinzu.

Was kommt als Nächstes **

Der Fall ist noch lange nicht vorbei, da er nun an die unteren Gerichte in Hamburg zurückkehrt, wo weitere Anhörungen sich über Jahre hinziehen könnten. Bis dahin bleiben Werbeblocker in Deutschland legal — aber niemand kann mit Sicherheit sagen, wie lange das dauern wird.

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